Zum Hauptinhalt springen
Background Animation

Patientenzentrierte Erfassung des Wohlbefindens: PROMs und PREMs

Wissensdatenbank Technologie Mensch B.3: Hospital @ Home - reibungsloser Übertritt von PatientInnen aus dem Spital nach Hause durch den Einsatz von Telemedizin und Technologie

Im heutigen dynamischen Gesundheitswesen verändern spezifische Formen der Patientenbefragung wie Patient-Reported Outcome Measures (PROMs) und Patient-Reported Experience Measures (PREMs) die Wahrnehmung und Bewertung der Gesundheit. PROMs und PREMs rücken die Stimme der Patient:innen in den Mittelpunkt und machen die Versorgung personalisierter. Was sind die wesentlichen Aufgaben von PROMs und PREMs und wie können sie wirksam eingesetzt werden?

 

Problembeschreibung, Forschungsfrage und Relevanz

In der modernen Gesundheitsversorgung steht die Patient:innenzentriertheit immer stärker im Mittelpunkt. PROMs und PREMs sind zentrale Instrumente, die diese Ausrichtung unterstützen1,2.

PROMs erfassen die subjektiven Gesundheitszustände und Lebensqualität der Patient:innen, indem diese ihren Gesundheitszustand in Bezug auf körperliche, emotionale und soziale Aspekte selbst beschreiben. Dieser subjektive Einblick - direkt von den Patient:innen - geht über das hinaus, was klinische Messungen erfassen können und zeigen auf wie es den Patient:innen wirklich geht. Ob es um Schmerzen, Müdigkeit, mentale Gesundheit, behandlungsspezifische Aspekte oder das tägliche Funktionieren geht, PROMs vermitteln ein umfassenderes Bild von der Lebensqualität von Patient:innen und den Auswirkungen von Gesundheitsmassnahmen. Im Rahmen der aktuellen Diskussion hin zu einer stärker werteorientierten Gesundheitsversorgung («value based health care») sind PROMs zentral und deshalb von wachsendem Interesse sowohl für Dienstleister als auch für Versicherungen3.

PREMs dokumentieren die von Patient:innen gemeldeten Erfahrungen und Meinungen während ihrer Behandlung in Bezug auf deren Qualität.  In Anlehnung an die PREMs werden zudem auch Doctor-Reported Experience Measures (DREMs) verwendet, um die Erfahrung der Ärzteschaft in die Auswertungen zu integrieren.

PROMs und PREMs bieten eine einzigartige Perspektive auf die Wirksamkeit und Qualität von medizinischen Dienstleistungen aus Sicht der Patient:innen selbst. Dies ist besonders wichtig in Zeiten, in denen das Gesundheitssystem darauf abzielt, nicht nur die klinischen Ergebnisse, sondern auch das Wohlbefinden und die Zufriedenheit der Patient:innen zu maximieren. Ein Beispiel für die Anwendung dieser Tools ist das SHIFT-Projekt mit der Hospital@Home-Pilotstudie (poststationäre Betreuung von Patient:innen durch Telemedizin), bei der PROMs, PREMs und DREMs während verschiedener Zeitpunkte des Behandlungsablaufs erfasst wurden.
 

Methoden und Vorgehen im Projekt

Die Implementierung der PROM und PREM/DREM Fragebogen erfolgt in mehreren Schritten. Zunächst werden die spezifischen Ziele und Fragen festgelegt, die durch die Umfrage beantwortet werden sollen. Hierbei ist es entscheidend, validierte und zuverlässige Fragebögen zu verwenden, die auf die jeweilige Behandlung und Patient:innengruppe zugeschnitten sind.

Standardisierte PROMs erfassen den allgemeinen Gesundheitszustand oder gehen spezifisch auf die jeweilige Erkrankung von Patient:innen ein4. Beispiele von häufig verwendeten PROMs sind:

  • EQ-5D-5L: Fragebogen zur Bewertung der Lebensqualität, der die Gesundheit in fünf Dimensionen (Mobilität, Selbstversorgung, alltägliche Tätigkeiten, Schmerzen/Beschwerden, Angst/Niedergeschlagenheit) bewertet. 4 Dieser PROM Fragebogen wurde in der erwähnten Hospital@Home Pilotstudie verwendet.
  • SF-36 (Short Form Health Survey): Deckt acht Gesundheitsdimensionen ab und wird häufig im Kontext chronischer Krankheiten verwendet. 5
  • PROMIS (Patient-Reported Outcomes Measurement Information System): Umfassender Ansatz zur Messung von körperlicher, geistiger und sozialer Gesundheit in verschiedenen Bereichen.6
  • QLQ-C30: Ein krebsspezifischer Fragebogen, um die Auswirkungen der Behandlung auf die Lebensqualität zu verfolgen. 7
  • HADS (Hospital Anxiety and Depression Scale): Häufig verwendet zum Screening von Angst und Depression sowohl in ambulanten als auch stationären Einrichtungen.8

PREM Fragebogen werden oft in der Qualitätsentwicklung verwendet 9. Die Erstellung von PREMs ist projekt- oder anwendungsspezifisch wobei die Fragen in der Regel in Themenbereiche unterteilt werden. In der SHIFT Hospital@Home Pilotstudie wurden beispielsweise zu den Themenbereichen «Overall, Empowerment, Trust, Convenience, Safety» befragt. Die Umfragen können während verschiedener Phasen der Behandlung durchgeführt werden - vor Beginn, während der Behandlung und nach Abschluss der Behandlung. Es ist wichtig, die Patient:innen möglichst einfach und verständlich durch die Teilnahme zu führen. Häufig werden dabei digitale Methoden wie Online-Fragebögen verwendet, um die Erfassung zu erleichtern 10.

Ergebnisse und Erkenntnisse

Die Anwendung von PROM und PREM liefert unterschiedliche wertvolle Erkenntnisse. Bei regelmässiger Erfassung zeigt sich oft ein direkter Zusammenhang zwischen den gemeldeten Ergebnissen und der Qualität der Versorgung. In der SHIFT-Studie konnten durch die systematische Erfassung von PROM- und PREM-Daten während der telemedizinischen Nachsorge verschiedene Trends und Muster in der Patient:innenzufriedenheit und im Wohlbefinden nachverfolgt werden. Beispielsweise helfen PROM-Daten, den Fortschritt der Patient:innen nach der Entlassung zu überwachen und frühzeitig negative Entwicklungen zu erkennen. PREM-Daten bieten die Möglichkeit, die Effizienz und Menschlichkeit der telemedizinischen Betreuung zu bewerten. Die DREM-Fragebögen der Ärzt:innen ergänzen das Bild und ermöglichen einen umfassenden Überblick über die gesamte Behandlungsqualität.

Diese Angaben können zu Anpassungen im Behandlungsprotokoll führen. Ein bemerkenswerter potentieller Nutzen ist die Identifikation von Problemen aus der Sicht der Patient:innen und Ärzt:innen, die sonst unbemerkt bleiben würden.

 

Empfehlungen für die Praxis

Um PROM und PREM effektiv in der Praxis umzusetzen, sind einige Empfehlungen zu beachten:

  1. Validierte Fragebogen: Es sollten wenn möglich validierte und standardisierte Fragebogen verwendet werden.
  2. Patientenzentrierter Ansatz: Die Fragebögen, sowie eine Erklärung zum Grund und der Art und Weise der Befragung, sollten klar, verständlich und in einer Sprache formuliert sein, die die Zielgruppe gut versteht.
  3. Regelmäßige Erfassung: Durch kontinuierliche Erhebung der Daten können Veränderungen und Verbesserungen besser nachvollzogen werden. Die Abstände sollten gut gewählt sein um mit kleinstmöglichem Aufwand für die Patient:innen möglichst viele Informationen zu erhalten.
  4. Integration in Arbeitsabläufe: Die Tools sollten nahtlos in den bestehenden Arbeitsablauf integriert werden, um den Administrationsaufwand gering zu halten.
  5. Schulung des Personals: Medizinisches Personal sollte geschult werden, um den Nutzen und die Anwendung der Tools zu verstehen und zu fördern.
  6. Feedback und Anpassung: Es ist wichtig, die aus den Daten gewonnenen Erkenntnisse regelmäßig zu nutzen, um die Versorgung stetig zu verbessern und an die Präferenzen der Patient:innen anzupassen.

PROM und PREM bieten eine wertvolle Ergänzung zu traditionellen klinischen Massstäben und tragen entscheidend dazu bei, die Gesundheitsversorgung patientenorientierter und effektiver zu gestalten. Die SHIFT-Studie zeigt, wie diese Instrumente auch in der poststationären Betreuung durch Telemedizin erfolgreich integriert werden können.

Literatur und andere Quellen

(1) Everything you need to know about PROMs and PREMs. www.remecare.eu/blog/everything-you-need-to-know-about-proms-and-prems (accessed 2025-04-15).

(2) Home. ICHOM. www.ichom.org (accessed 2025-04-22).

(3) Bossart, E.; Glässel, A. PROM („patient-reported outcome measures“) in der onkologischen Nachsorge der Schweiz: Eine SWOT-Analyse aus der Perspektive der Gesundheitsförderung und Prävention. Prävent. Gesundheitsförderung2025. doi.org/10.1007/s11553-024-01193-1.

(4) Neubauer, M. EQ-5D-5L. Heartbeat Medical. heartbeat-med.com/resources/eq-5d-5l/ (accessed 2025-04-15).

(5) Ware, J. E. J. SF-36 Health Survey Update. Spine2000, 25 (24), 3130.

(6) What is PROMIS?. PROMIS Health Organization. www.promishealth.org/57461-2/ (accessed 2025-04-15).

(7) Aaronson, N. K.; Ahmedzai, S.; Bergman, B.; Bullinger, M.; Cull, A.; Duez, N. J.; Filiberti, A.; Flechtner, H.; Fleishman, S. B.; de Haes, J. C. The European Organization for Research and Treatment of Cancer QLQ-C30: A Quality-of-Life Instrument for Use in International Clinical Trials in Oncology. J. Natl. Cancer Inst.1993, 85 (5), 365–376. doi.org/10.1093/jnci/85.5.365.

(8) Stern, A. F. The Hospital Anxiety and Depression Scale. Occup. Med.2014, 64 (5), 393–394. doi.org/10.1093/occmed/kqu024.

(9) Patientenerfahrung - fachübergreifende Informationen. ANQ. www.anq.ch/de/fachbereiche/patientenerfahrung-fachuebergreifende-informationen/ (accessed 2025-04-22).

(10) Bossart, E.; Glässel, A. PROM („patient-reported outcome measures“) in der onkologischen Nachsorge der Schweiz: Eine SWOT-Analyse aus der Perspektive der Gesundheitsförderung und Prävention. Prävent. Gesundheitsförderung2025. doi.org/10.1007/s11553-024-01193-1.

Zitierung des Beitrags

Der Beitrag zu Hospital@Home: Ein innovatives Modell zur Verbesserung der Patientenbetreuung im häuslichen Umfeld